Was bleibt? | Claussen-Simon-Stiftung | 2021

Was geschieht, wenn eine global agierende, dynamische und hypervernetzte Welt plötzlich durch ein Virus ausgebremst wird und für Monate stillsteht?  Mit dem Projekt „was bleibt?“ möchte ich meine gestalterische Kraft als Illustratorin nutzen, um eine positive Bilanz der Pandemie zu ziehen. Zu diesem Zweck richte ich meinen Blick auf zwölf positive Effekte, die die Unterbrechung des negativen menschlichen Einflusses auf die Umwelt bereits jetzt gehabt hat.

Nach vielen Monaten Lockdown scheinen wir an einem spannenden Punkt angelangt zu sein. Ein Punkt, an dem alles neu geordnet wird. An dem wir Altes neu entdecken und unsere Welt in gewisser Weise mit neuen Augen sehen. Vieles schürt unsere tiefsten Ängste und Unsicherheiten. Manche sind traurig oder sorgen sich, andere schäumen vor Wut und verbreiten wirre Verschwörungstheorien, und wieder andere schöpfen Mut und Kraft aus den neuen Gegebenheiten und finden kreative Lösungen für Probleme, die zuvor unlösbar schienen. 

Der Zukunftsforscher Matthias Horx vergleicht die verschiedenen Phasen einer Krise mit der Trauerarbeit, die ein Mensch leisten muss, wenn er eine geliebte Person verliert. Die ersten Phasen der Krise seien von „Leugnung, Ignoranz, Wut und Zorn“ bestimmt, darauf folgen, so Horx, schließlich Akzeptanz, Verhandlung, Neubeginn. Wie also könnte dieser Neubeginn nun für die durch Corona veränderte Welt aussehen? Welche positiven Entwicklungen hin zu einer besseren Welt können wir, nach über einem Jahr Pandemie, bereits verzeichnen? Welche Denkweisen bleiben uns nach dieser Krise womöglich erhalten, die für eine neue Epoche stehen könnten? Und vor allem: Was kann uns von düsteren Gedanken abbringen und uns Kraft schenken, um weiter durchzuhalten?

Denn, dass es sich lohnt, sich für eine Zukunft zu engagieren, in der wir das Verhältnis zu unserem Planeten verbessern, hat Corona uns bereits gelehrt. „Was bleibt?“ richtet seine Aufmerksamkeit auf aktuelle soziale, ökonomische und ökologische Zeichen und Phänomene, die derzeit dafür sprechen, dass sich unsere Umwelt zu regenerieren beginnt. So kehren beispielsweise viele Tiere in Gebiete zurück, in denen es ihnen zuvor zu dreckig oder zu laut war. Sie paaren sich nach vielen Jahren wieder oder werden durch den Menschen aktuell weniger bedroht. Wissenschaftler:innen sprechen vom Phänomen der „Anthropause“ und meinen damit die Unterbrechung des negativen menschlichen Einflusses auf unsere Umwelt.

Meine visuellen Kommentare dieser positiven Effekte, in Form von Illustrationen, werden auf Postkarten gedruckt und über einen Zeitraum von zwölf Monaten Hamburger Passant:innen kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein kurzer Infotext auf der jeweiligen Rückseite informiert über Quellen und die jeweilige positive Entwicklung. Es bleibt genug Platz, um die Karte mit einem eigenen handgeschriebenen Text zu vervollständigen.

Die Karten findet man aktuell an neun verschiedenen Orten in Hamburg: Sie hängen in wetterfesten Boxen im Kulturladen St. Georg, in der Koppel 66, in der Buchhandlung Deichtorhallen, im Haus 3 in Altona, im Zeise Kino, im Kulturzentrum Motte, in der Claussen-Simon-Stiftung, an der Pony Bar auf dem Campus der Universität und im Café Kraweel.

Ich hoffe sehr, dass sie vielen Hamburger Passant:innen Freude bereiten und dafür sorgen, dass mehr gute Nachrichten verbreitet werden oder die Menschen zum grübeln bringen, was uns bleibt nach diesen verrückten Zeiten. 

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für die Unterstützung der https://www.claussen-simon-stiftung.de/de/stiftung/ bedanken.

Weitere Infos über : https://www.claussen-simon-stiftung.de/de/blog/was-bleibt/